


Gerlis Zillgens & Bernd GiesekingNach dem großen Erfolg mit ihrem ersten Programm „Hosen runter“, beschäftigen sich die beiden Kabarettisten Bernd Gieseking und Gerlis Zillgens nun mit der besseren Hälfte. Aber was ist die bessere Hälfte? Die erste oder die zweite vom Leben? Die männliche oder die weibliche vom Paar? Die obere oder die untere vom Brötchen?
War es besser, als das Telefon noch eine Schnur und das Fernsehen einen Sendeschluss hatte? War die Luftmatratze im Zelt besser als das Bett im Vier-Sterne-Hotel? Besser Ü40 mit Lachfalten als U20 mit Pickeln?
Zwei „78er“ entlarven sich selbst. Zu jung gewesen für die K1, zu alt für den Punk sind sie die Generation Wohngemeinschaft, irgendwo zwischen Revolution und Karriere, Gemeinschaftskasse und Börsenspekulation, Familiengründung und Scheidungssingle.
Wir sind jung und topfit, aber wer zum Teufel sind die alten Typen da beim Klassentreffen? Wir haben die Clearasil-Tube doch gerade erst entsorgt, wieso tanzen wir da schon auf der Botox-Party? Die Begriffe alt und jung verlieren ihre Konturen. Ist Madonna alt? Ist der Mini jung? Lebt Michael forever?
Bessere Hälfte, Gieseking vs. Zillgens: Ein wunderbar komischer Abend mit dem Blick durch die Gleitsichtbrille auf das, was vor uns liegt, mit dem Blick zurück über die Schulterpolster auf das, was war. Dabei mit allen vier Beinen im Hier und Jetzt. Kabarett über das Paar, das Älterwerden und andere Krisen. Ein Blick in den Spiegel der Zeit. Ohne Angst vor Lachfalten!
Gerlis Zillgens & Bernd GiesekingZillgens, die rothaarige Rheinländerin, Gieseking, der spitzbärtige Ostwestfale.
Zusammen berichten sie im Nebeneinander übereinander. Sie und Er. Mann und Frau. Eine furiose, literarisch-komische Reise zwischen den Polaritäten der Geschlechter.
Mit der Geschichte über die Annäherungsversuche eines Paares schlagen Zillgens&Gieseking ein neues Kapitel in der Geschlechter-Forschung auf und leisten pointengespickte Aufklärungsarbeit. Da sitzen sie nebeneinander, jeder ein Buch in der Hand. Ihre Beobachtungen rund um die aufkeimende Liebe, die in einem unerwarteten Desaster endet, sind so erhellend wie komisch, weil sie Einblick in zwei konträre Wahrnehmungssysteme erlauben und aufzeigen, was Mann und Frau wirklich denken. Sie sagen dem Publikum, was der Partner nie erfahren würde – selten waren Frauen und Männer so ehrlich und eitel zugleich!
„Hosen runter!“ ist ein Geschlechterkampf mit dem Florett der Sprache. Eine neue Form zwischen Lesung, Comedy und Kabarett - und ganz sicher Unterhaltung vom Feinsten! Denn auf der Bühne steht kein keifendes Paar, sondern zwei stets hoffend Scheiternde. Und trotz des Scheiterns gibt es keine Verlierer - und die Gewinner sind die begeisterten Zuschauer.
Die Presse schreibt:
Keine Pointe geht verloren
Von Wilm Froese
Ibbenbüren. "Hosen runter" ist sicherlich ein ziemlich eindeutiger Themenhinweis für ein Kabarettprogramm, auch wenn es den literarisch höherwertigen Untertitel "Paarungen, Irrungen, Wirrungen" trägt. Zweideutig oder peinlich war es am Freitagabend in der Alten Sparkasse trotzdem nie, als Gerlis Zillgens und Bernd Gieseking die erste Saison des neuen Kabarettabonnements eröffneten.
Möglicherweise war die ungewöhnliche Art der Präsentation daran beteiligt.
Die beiden lasen nämlich ihre Texte ab, obwohl sie als Schauspieler keine Probleme damit gehabt hätten, sie auswendig zu lernen. Und um den Text ihrer Ankündigung zu variieren: sie redeten nebeneinander und nacheinander übereinander, aber nicht miteinander. Ohne auf die Worte des anderen Bezug zu nehmen, schilderte jeder mit seinen Worten und auf seine Art aus der Ich-Perspektive, in der Regel als Gedankenmonolog, den nie störungsfreien Ablauf der Beziehungen.
So begab sich das Duo gar nicht erst in die Gefahr der Retourkutschen, des öffentlich ausgetragenen Geschlechterkampfes mit dem Publikum als johlender Masse von Schiedsrichtern. Jeder konnte für sich deutlich sein, manchmal sogar sehr deutlich. Doch weil das zwar gnadenlos, aber nie respektlos war, zudem gemildert durch einen liebevollen Unterton und eine gewisse geschlechtsbezogene Selbstironie, konnten die Zuschauer selbst die größten Gemeinheiten genießen.
Das taten sie dann auch, manchmal tatsächlich mit schallendem Gelächter.
Noch ein Vorteil des geschriebenen Textes: Keine Pointe geht verloren. Die beiden Kabarettisten, die beide auch als Buchautoren tätig sind - beide übrigens von garantiert sexfreien Jugendbüchern - verstehen es, ihre Texte ebenso hervorragend zu formulieren wie punktgenau vorzutragen. Diese Kombination ist gar nicht so häufig anzutreffen.
Wohl eher die Kombinationen von Mann und Frau, wie sie der Ostwestfale und die Rheinländerin immer wieder schildern. Wenn zwei das Gleiche wollen, heißt das noch lange nicht, dass es geschieht. Dabei berechtigt der Satz "Sie zieht sich aus, ich sehe zu," mit dem drei unterschiedliche Szenen beginnen, zu den schönsten Hoffnungen. Aber ach, was beide denken, das der andere denkt, das ist oft knapp daneben.
Missverständnisse, falsche Erwartungen, aber auch Kleinigkeiten, über die man wie frau normalerweise gar nicht nachdenkt, beenden beste Ansätze. Und dabei geht es nicht einmal um die lieben und unliebsamen Gewohnheiten, die der Schrecken jeder Ehe sein sollen. Gut, manchmal geht es auch richtig zur
Sache: gewohnheitsmäßiges Fremdgehen ("Wieso eigentlich Fremdgehen? Man kennt sich doch"), kompakte Eifersucht oder die Sicht von der anderen Seite auf den männlichen Stoßseufzer: "Die Liebe fällt mit langsam schwer. Ich kann nicht mehr."
Da nehmen beide, vor allen "Sie", kein Blatt vor den Mund. Was Wunder, dass "Er" in einem Solo beklagt, dass er immer und an allem schuld sei. Außer, dass alle Männer gleich sind. Das ist die Schuld der anderen Männer.
Standard der rheinisch-westfälischen Beziehungen ist aber der Irrtum. Und so kommt es dann, dass Sex und Ehe sich, wenigstens in diesem Programm, fast ausschließen. Beides findet dennoch statt, wenigstens in Worten.
Gereimt oder in Prosa, aber nie, wie man sich wohl jetzt denken kann, im Dialog. Aber es sind nur ihre Figuren, die nicht dialogfähig sind. Gerlis Zillgens und Bernd Gieseking selbst sind es durchaus. Oder wie nennt man es, wenn die Menschen auf der Bühne und die im Publikum sich prächtig verstehen?
Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung (Ibbenbüren)